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„Ich hoffe
schon, dass uns der Besuch des Friedhofs heute
nachdenklich stimmen wird“. Dies betonte Pfarrer
Georg Braun bei seiner Predigt an Allerheiligen. Die
gesangliche Umrahmung des Gottesdienstes erfolgte
durch den Kirchenchor, sowie die Trompeter Markus
Pirzer und Alexander Böhm auf dem Friedhof.
Braun
begrüßte zum Gottesdienst vor allem all jene, die zu
den Gräbern der Eltern oder Verwandten alljährlich
nach Schmidmühlen kommen. In seiner Predigt betonte
der Geistliche, dass Trauer und Schmerz die Gedanken
durchziehen, trotz aller Hoffnung auf die
Auferstehung. Die Trennung von lieben Menschen,
denen wir verbunden waren, wird erneut spürbar.
Menschen, die uns viel bedeutet haben, sind nicht
mehr. Bitter werden wir daran erinnert, dass wir uns
auf Erden keine bleibende Wohnung einrichten können
und unsere Heimat wo anders leiben muss. „Handeln
wir entsprechend diesen immer wiederkehrenden
Erfahrungen, oder betäuben wir uns nicht immer
wieder selbst“? fragte Braun die Kirchbesucher. Du
Tor, noch in dieser Nacht wird man dein leben von
dir zurückformen. Diesen Satz kennen sie
wahrscheinlich – er ist aus dem 12. Kapitel des
Lukasevangeliums. Der Reiche, der es für notwendig
erachtete, Vorräte anzuhäufen – ihm gleichen heute
so viele Menschen, die sich zeitlebens bemühen, sich
mit Gelder und Gütern abzusichern. Sie vergessen,
dass das Totenhemd keine Taschen hat. Es gibt aber
auch andere Gedanken, die uns am Graf eines
Mitmenschen zu schaffen machen. Der Tote hatte z. B.
am Ende seines Lebens ein schweres Leiden, lag im
Krankenhaus und hätte sich über einen Besuch
meinerseits gefreut. Ich hatte aber erst Zeit
gefunden, als er beerdigt wurde. Am Krankenlager gab
es kein tröstendes Wort, keinen Abschied.
Schulgefühle steigen in uns auf. Sie verstärken sich
noch, wenn der Tod sehr unvermittelt an die Tür
klopfe, bei einem Herzinfarkt oder einem
Verkehrsunfall und wir nicht mehr die Zeit fanden,
jemanden um Verzeihung zu bitten oder ihm ein Wort
der Versöhnung zu sagen. Vielleicht haben wir länger
mit ihm in Streit oder Hass gelebt.
Beim Tod
erst merken wir, wie bedeutungslos im Grunde viele
Dinge sind. So wird es ganz natürlich, das wir für
Verstorbene beten. Wir versuchen, auf diese Weise
wenigstens ein Stück der Schuld abzutragen. Es kann
aber auch aus Liebe geschehen, die uns über den Tod
hinaus mit dem Verstorbenen verbindet. Wenn wir
hernach nachdenklich und betend an den Gräbern
stehen, werden wir ernüchtert. Wir haben
Gelegenheit, unser Leben neu zu ordnen, Akzente und
Werte richtig zu setzen. Wir erkennen, wie wichtig
die Wahrung des zwischenmenschlichen Friedens ist,
denn es könnte der Tag kommen, an dem wir keine Zeit
mehr zur Aussöhnung haben. „Ob uns das Stehen an
unseren Gräbern in einer guten halben Stunde zu
dieser Besinnung bringen wird?“ Das Beispiel des
reichen Prassers sollte uns hellhörig machen. Er
bittet, Lazarus möge seine Brüder warnen, damit
nicht auch sie an den Ort der Qualen kommen. Und die
erschütternde Antwort lautet: „Sie werden sich auch
nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten
aufersteht“!
Die
Verstorbenen der Pfarrei wurden einzeln vorgelesen,
dabei trug jeweils ein Verwandter eine Kerze zum
Altar. Beim anschließenden Friedhofgang segnete
Bischöflich Geistlicher Rat Braun die Gräber mit
Weihwasser und Weihrauch. Viele Gläubige der Pfarrei
hatten sich dazu eingefunden.
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