Pfarrei Schmidmühlen

Kath. Pfarramt

Schmidmühlen

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Als Christen können wir dem Sterben und dem Tod offen, nüchtern und hoffnungsvoll begegnen - Allerheiligen

 
 

 

 In seiner Predigt wies Pfarrer Werner Sulzer auf das Buch „Gleise ins Morgen“ hin, darin schreibt der Innsbrucker Altbischof Reinhold Stecher von einer Begebenheit aus seiner Kaplanzeit, die er mit einem alten Bergbauern hatte. Die gesangliche Umrahmung an Allerheiligen erfolgte durch den Kirchenchor.

 „Sein Zustand war hoffnungslos und das wusste er selbst. Es war für mich als Priester gar nicht so schwer, mit ihm über das Sterben ins Gespräch zu kommen. In sterilen, mit allen Hilfen moderner Medizin ausgestatteten Räumen fällt das oft schwerer. Er wollte zunächst die Sache mit dem Sterben unbedingt etwas aufgeschoben wissen, denn er konnte sich mit einem Tod ausgerechnet während einer Schönwetterphase nicht anfreunden. „Schau“ sagte er zu mir, „bei schönem Wetter möchte ich nicht sterben. Weißt du, da müssen die Leute Heu einfahren. Da haben sie keine Zeit zum Beten. Wenn eine Regenwoche kommt, das wäre mir viel lieber.“

Er dachte über sein Sterben genauso pragmatisch wie über die rechte Zeit zur Kartoffelernte oder zur Heumad. Und dann kam die Regenwoche. Er machte sich reisefertig. Wie ich neben ihm gesessen bin, kam er auf das Eigentliche zu sprechen. „Eins muss ich dir schon sagen“, stößt er – schon etwas mühsam – hervor „schön ist es nicht, das Sterben…“ Und dann nach einer Pause: „Aber ich denk mir, jetzt am Schluss, wird mich der Herrgott auch nicht wegschmeißen wie einen alten Fetzen.“ Soweit die Erzählung. „Zwei Gedanken in dieser Erzählung sind mir wichtig“: Es gibt keinen Grund, das Gespräch über den Tod zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Sterben ist keine Schande. Die Erfahrung zeigt, je länger man dieses Thema vor sich herschiebt, desto schwieriger fällt das Gespräch darüber. Man tut gut daran, frühzeitig über das Sterben und die Beerdigungswünsche zu sprechen. Es ist hilfreich, möglichst nüchtern an die Sache heranzugehen, ohne den Tod zu dramatisieren, aber auch ohne ihn zu beschönigen. Sterben ist nichts Schönes. Sterben fällt nie leicht, weil man es nur sehr bedingt üben kann und man sich auf eine sehr ungewisse Sache einlassen muss. Dabei fällt das Reden über organisatorische Dinge noch vergleichsweise leicht. Es kann zum Einstieg werden, um über Ängste und Befürchtungen, Wünsche und Hoffnung zu sprechen. Dabei ist klar, der kranke und alte Mensch bestimmt, wann und worüber gesprochen wird. Es steht mir nicht zu, in ihn zu dringen, ihn zu drängen. Es steht mir aber umgekehrt auch nicht zu, es zu unterbinden. Ich kann nur ermutigen, darüber zu reden. Es ist sicherlich schmerzhaft, tränenreich, emotional; doch gleichzeitig ist es auch ungemein befreiend. Anstatt das Thema krampfhaft zu umschiffen, kann man offen damit umgehen. Es schenkt die Offenheit, all das anzusprechen, was noch geklärt werden möchte. Zweiter Gedanke:

In einer eher deftigen Sprache drückt der Bergbauer seine Hoffnung aus: Jetzt am Schluss wird mich der Herrgott auch nicht wie einen alten Fetzen wegschmeißen. Der Ausdruck „Alter Fetzen“ ist gar nicht so abwegig: Von Krankheit gezeichnet – von einem Unfall entstellt – seiner früheren Kraft beraubt ist der Mensch oft wirklich nur noch ein Schatten früherer Tage – wie ein alter abgenutzter Fetzen, der über die Jahre löchrig und dünn geworden ist. Für gewöhnlich entsorgen wir einen solchen alten Fetzen. Er landet auf der Müllhalde. Angesichts unserer Wegwerfgesellschaft beschleicht einem bisweilen der Verdacht, dass zunehmend Verstorbene kostengünstig entsorgt werden. Dagegen regt sich unser christlicher Widerspruch: Ein Mensch wird nicht entsorgt, weil er nicht auf der Müllhalde der Geschichte landet. Er wird nicht weggeworfen, sondern aufgehoben. Aufgehoben im dreifachen Sinn: Das Schmerzhafte und Dunkel wird aufgehoben und damit beseitigt. Das Schöne und Gelungene wird aufgehoben und bewahrt. Und der Mensch an sich wird aufgehoben, gehoben in eine neue höhere Dimension von Leben. Paulus verwendet andere Bilder und geschliffenere Worte, aber letztlich drückt er dieselbe Hoffnung wie der Bergbauer aus: Menschliches Leben wird verwandelt. Unser vergängliches Leben wird mit Unvergänglichkeit bekleidet.

„Als Christen können wir dem Sterben und dem Tod offen, nüchtern und hoffnungsvoll begegnen. Denn Gott wird uns einmal nicht wie einen alten Fetzen wegschmeißen – er wird uns aufheben!“

 Die  23 Verstorbenen der Pfarrei, seit dem letzten Allerheiligenfest, wurden einzeln vorgelesen und eine Kerze entzündet. Ebenso hatte Pfarrer Werner Sulzer die Sterbebilder an einer Stellwand befestigt. Beim anschließenden Friedhofgang segnete Pfarrer Werner Sulzer die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch. Viele Gläubige der Pfarrei hatten sich dazu eingefunden.