Pfarrei Schmidmühlen

Kath. Pfarramt

Schmidmühlen

eM@il

 
 

Das Leben als Gemeinde / Jahresschlussgottesdienst

 
 

  

 Die Pfarrei gedachte beim Jahresabschlussgottesdienst an Silvester all jener, die im Jahr 2011 aus der Pfarrei verstorben, geboren, getauft wurden und geheiratet haben.

 Pfarrer Werner Sulzer sagte zur Begrüßung der zahlreichen Gottesdienstbesucher, eine Bekannte hatte einmal einen Malkurs besucht, bei dem die Teilnehmer an großen Leinwänden gearbeitet haben und jeder bei jedem anderen mit hineinmalen durfte. Das sorgte für ein gehöriges Durcheinander und auch für etliche Aggressionen. Aber genau so ist das Leben: Ich male und gestalte und andere malen mir hinein. Manche Pinselstriche sind durchaus hilfreich und erwünscht – andere dagegen pfuschen mir in mein Leben hinein“.

 In der Predigt wurden jeweils Bilder auf einer Leinwand gezeigt und Pfarrer Sulzer sagte zu den Kirchbesuchern, sie sollten sich das Leben als großes Gemälde vorstellen. Am Beginn des Lebens liegt das Leben wie eine unberührte, weiße Leinwand vor mir. Doch vom ersten Augenblick meines Lebens an füllt sich diese Leinwand. „Ich bin Maler und Leinwand, Gestalter und Gestalteter in einem. Von Tag zu Tag füllt sich diese Leinwand, da wird gemalt und übermalt, verbessert und verschlechtert. Das Leben in seiner ganzen Buntheit hinterlässt seine Spuren“. Das vergangene Jahr hat Farbtupfer gezeigt. Am willkommensten sind dabei die strahlend gelben Stunden – Momente des Glücks und der ungetrübten Lebensfreude, ein frohes Fest, die Geburt eines Kindes. Doch so wie dieses Bild im puren Gelb eintönig wirkt und auf ihm die Konturen verschwimmen, so würde ein Leben, das nur aus purem Glück besteht, uns allmählich abstumpfen. Es braucht noch weitere Farbtöne. Orange und Rot, die für Begeisterung und Energie, für Freundschaft und Liebe stehen, lassen wir uns noch eingehen. So wichtig diese hellen, kräftigen Farben sind, so braucht es doch auch die kühlen, ruhigeren, erdigen Farbtupfer. Es braucht das eher unscheinbare Grün, das stille, leise Leben, das sich nicht explosionsartig verbreitet, sondern sich langsam, oft auch mühsam und gegen Widerstände, aber damit auch nachhaltig entfaltet. Es braucht das Blau, das einem Leben Weite verleiht, Stunden, in denen das Leben in ruhigen Bahnen verläuft oder aber auch wie Wellen einen hin und her wirft, einen vor Rätsel stellt und damit am Geheimnis des Lebens rührt. Es braucht das Violett, die Nachdenklichkeit, Momente, in denen ich in mich gehen, mir auch meine Grenzen, mein Versagen eingestehe. „Es braucht das erdige Braun. Ich kann nicht jeden Tag himmelhoch jauchzen, es braucht auch die ganz gewöhnlichen Tage, die mir Bodenhaftung, Bodenständigkeit verleihen. Und schließlich braucht es auch das Schwarz, die Farbe, auf die viele verzichten können, weil sie für Trauer, Angst, Endlichkeit steht. Wir brauchen wahrlich nicht selbst zu Schwarz greifen, aber da, wo das Leben seine dunklen Striche zieht, hat es seinen Wert“, betonte Sulzer.

 Erst das Zusammenspiel aller Farben macht das Bild wie auch das Leben abwechslungsreich, anspruchsvoll und wertvoll. Dadurch gewinnt es an Konturen, Klarheit, Schärfe und vor allem an Tiefenwirkung, damit das Leben nicht nur ganz nett, oberflächlich dahinplätschert, sondern in die Tiefe geht. Kein Mensch hält sich ein Bild direkt vor die Nase, denn so betrachtet erkennt man nichts. Vielmehr tritt man ein paar Schritte zurück, um es so auf sich wirken zu lassen. „Aus der Nähe, im Augenblick betrachtet sind auch in unserem Leben kaum Zusammenhänge erkennbar. Wir dürfen hoffen, dass sich die vielen Pinselstriche unseres Lebens im Rückblick zu einem großen Gemälde zusammenfügen, weil ein anderer im letzten den Pinsel führt. So wie in einer großen Malwerkstatt viele die Vorarbeiten leisten, aber den letzten Feinschliff der Meister verleiht, so wird Gott unser Leben, an dem so viele gemalt haben, zu einem Meisterwerk vollenden“!

 Bei den Fürbitten wurde jeweils eine Kerze am Altar entzündet, mit der gelben Kerze wurde an Erfolge und frohe Feste und an die 20 Erstkommunionkinder gedenkt. Für die Erfahrung von Liebe und Freundschaft wurde eine rote Kerze entzündet und dabei an die 3 Paare, die 2011 die Ehe geschlossen haben gedenkt. Mit einer grünen Kerze, das Leben das still heranwächst wurde an die 14 Kinder, die geboren wurden gedenkt. „Für die Erfahrung von Treue und Weite entzünden wir eine blaue Kerze, dabei gedenken wir an die vielen Paare, die seit Jahrzehnten das Leben miteinander teilen, aber auch an die Ereignisse, die uns im vergangenen Jahr vor Rätsel stellten“. Für nachdenkliche Stunden wurde eine violette Kerze entzündet und eine schwarze Kerze für die 18 Todesfälle in der Pfarrei.