| |

Feierlich
wurde das Osterfest in der Pfarrei gegangen. Bei der
Osternachtfeier wurde die Osterkerze am geweihten
Feuer vor der Pfarrkirche entzündet. Die gesangliche
Umrahmung erfolgte durch den Kirchenchor. Nach
alter Überlieferung postierten sich Ministranten
rund um die Pfarrkirche an der Osternacht und
machten mit ihren „Ratschen“ auf den Beginn des
Gottesdienstes aufmerksam. An den Eingängen der
Pfarrkirche verkauften Mitglieder der Kolpingfamilie
am Karsamstag Kerzen, die beim Einzug der
Ministranten entzündet wurden, um Licht ins
Gotteshaus zu bringen. Pfarrer Sulzer zog zunächst
außerhalb des Gotteshauses zum Kirchplatz, wo die
Feuerweihe stattfand. Am geweihten Feuer wurde die
neue Osterkerze entzündet. Pfarrer Werner Sulzer
erläuterte den Kirchbesuchern: „Das neu angebrannte
Osterfeuer und die an ihm entzündete Osterkerze
bringen das sich weiter verbreitende Licht ins
Dunkel der nächtlichen Kirche. Das Licht dieser
Nacht wird besonders dankbar begrüßt als Licht
Christi, als leuchtende Feuersäule, die dem
Gottesvolk den Weg durch die Finsternis wies. Die
Osternacht ist die Nacht, die Gott und Menschen
verbindet“. Pfarrer
Werner Sulzer trug vom hinteren Kirchenportal aus
die entzündete Osterkerze in das finstere Gotteshaus
und sang „Lumen Christi“, worauf das Volk mit „Deo
gratias“ antwortete. Auch die Erstkommunionkinder
zogen mit gebastelten Kerzen mit in die Pfarrkirche
ein. Die Ministranten gaben das Licht des geweihten
Feuers an die Besucher weiter. Vom Licht der neuen
Osterkerze wurden auch die neuen Kerzen am Altar und
das „ewige Licht“ entzündet.
In
seiner Predigt sagte Pfarrer Werner Sulzer, wir
werden gegenwärtig Zeugen von umwälzenden
Ereignissen im Vorderen Orient und in Nordafrika.
Nach Jahrzehnten der Unterdrückung proben Menschen
den Aufstand gegen diktatorische Regime. Es genügt
uns Menschen eben nicht, wenn die Grundbedürfnisse
gestillt werden. Menschen wollen erhobenen Hauptes
und frei leben. Sie sehnen sich nach einigermaßen
gerechten Lebensbedingungen. Eine geraume Zeit
lassen sich diese Sehnsüchte unterdrücken, aber über
kurz oder lang begehrt der Mensch auf und wagt den
Aufstand für ein freies, gerechtes Leben. „Warum
erzähle ich Ihnen das?“, fragte Pfarrer Sulzer. Weil
wir heute den größten Aufstand feiern, den es
überhaupt jemals gegeben hat. Jesus probt den
Aufstand gegen den Tod. Aufstehen, aufhelfen waren
Kennzeichen seines Lebens. Zeitlebens ist Jesus
aufgestanden gegen ungerechte Strukturen, gegen
Ungerechtigkeiten gerade auch im religiösen Bereich.
Gerade denen, die zu Fall gekommen und in
irgendeiner Weise gescheitert sind, hat er
aufgeholfen. Er hat gegen die bedrückenden Kräfte
von Sünde und Schuld gekämpft, damit der Menschen
aufrecht leben kann.
Bei
all dem war er sich selbst nicht zu schade, selbst
hinab zusteigen in das Unrecht. Er hat sich mit
Sündern abgegeben, auch auf die Gefahr hin, dass das
auf ihn abfährt. Er hat sich nicht gescheut, selbst
zu Fall zu kommen. Dreimal –heißt es -ist er auf dem
Kreuzweg gefallen und jedes Mal wieder aufgestanden.
Freilich sein Kampf für ein gerechtes und freies
Leben wäre auf halber Strecke stecken geblieben,
wenn er sich nicht dem letzten und größten Diktator
menschlichen Lebens, dem Tod gestellt hätte. Der Tod
steht unausweichlich und übermächtig vor uns. Er
setzt unserer menschlichen Möglichkeiten eine
unüberwindbare Grenze. An ihm zerbricht unsere
Freiheit. Der Tod ist zutiefst ungerecht. Der eine
stirbt jung, der andere alt; der eine nach einem
schönen, erfüllten Leben, der andere nach einem
Leben voller Mühsal und Enttäuschungen. Wenn mit dem
Tod alles aus, zementiert er dieses Unrecht. Und so
flößt uns der Tod Angst ein. Auch wenn wir ihn oft
weit wegschieben, steckt hinter manchem fröhlichen,
geschäftigen Treiben die Angst vor ihm; die Angst zu
kurz zu kommen; die Angst, etwas zu verpassen. Und
so hetzen wir durch das Leben, packen möglichst viel
hinein, getrieben von der Vergänglichkeit, der
kleinen Schwester der Todesangst. Diesem großen
Diktator, dem Tod hat sich Jesus gestellt. Auch ihn
hat er nicht von außen bekämpft, um ihm noch ein
paar Jahre abzutrotzen, sondern er hat sich in ihn
hineinbegeben, hat ihn bis zur Neige ausgekostet, um
ihn von innen heraus auszuhöhlen und zu entmachten.
Nach außen hin steht die Fassade des Todes noch –
immer noch sterben Menschen; aber es ist eben nur
noch eine Fassade, dahinter erwartet uns nicht die
Leere, die Vernichtung, sondern eine unvorstellbare
Freiheit, Gerechtigkeit in Fülle. Der Glaube daran
hat für uns zwei Konsequenzen: Wir können gelassen
leben. Wir müssen nicht alles erleben, wir müssen
nicht überall dabei sein. Denn das Beste kommt
zuletzt. Diese Überzeugung befreit von jeder Form
von Angst. Wir dürfen daraus schon hier und heute
auferstehen. Weil die größte Angst, die Todesangst
verloren haben, brauchen wir uns vor nichts und
niemandem zu fürchten; brauchen wir uns vor
niemandem, keinem Machthaber dieser Welt zu
ducken. Gleichzeitig schenkt dieser Glaube Kraft
und Mut für eine Welt einzutreten, wo ein Mindestmaß
an Gerechtigkeit und Freiheit für alle verwirklicht
ist. Die Aussicht auf ein unbegrenztes, gerechtes
Leben nach dem Tod will uns zu einem Einsatz für ein
Leben in Freiheit und Gerechtigkeit vor dem Tod
ermutigen. Weil uns das erwartet, wollen wir heute
schon damit beginnen. An Ostern feiern wir den
Aufstand des Lebens, den Aufstand für Gerechtigkeit
und Freiheit, einen Aufstand, den Jesus anführt und
den er letztendlich für uns alle schon entschieden
hat. Nach
der Taufwasserweihe wurden kleine Schälchen mit dem
geweihten Wasser gefüllt und von den Ministranten an
die Kirchbesucher weiter gegeben. Jeder
Kirchbesucher machte sich mit dem geweihten Wasser
das Kreuzzeichen auf die Stirn.
Am
Ostersonntag wurde der Gottesdienst von Schola,
Cordevobiscum und Parvi Angeli gestaltet und am
Ostermontag war Volksgesang.
|
|